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Michael Gerdes
Schornsteinfegermeister
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Energiecheck

Fogging/Schwarzstaub-wenn die Wand schwarz wird

 

Es ist der Alptraum: Wände, Gardinen und Möbel, Glas und Plastik – einfach alles in der Wohnung innerhalb einiger Tage von einem schwarzen Schmierfilm überzogen. So etwas kommt immer wieder vor. In den meisten Fällen dieses Phänomens  „schwarze Wohnungen“ ist der Grauschleier glücklicherweise nur sehr schwach ausgeprägt, beispielsweise als Streifen über dem Heizkörper oder als Verfärbungen in den Ecken. Ursache ist der sogenannte „Schwarzstaub“  (englisch:“black magic dust“), seine Entstehung wird als „Fogging“ bezeichnet.

Woher kommen die schwarzen Schlieren?

Beim Fogging färbt sich an einzelnen Stellen die Tapete schwärzlich, bevorzugt im Winter an kalten Raumecken, über der Heizung oder über Lampen. Typisch ist eine Ablagerung auf kalten Oberflächen beispielsweise kalten Stellen an Wänden aufgrund ungünstiger Bauweise, aber es können auch andere Flächen betroffen sein.

Auch wenn der schmierige Film nicht die Gesundheit gefährdet, so beeinträchtigt er die Wohnqualität doch oft erheblich. Der Belag ist nicht abzuwaschen, das einzige was hilft, ist Renovieren. Damit die Mühe nicht umsonst ist, müssen zuvor die Ursachen beseitigt werden. Doch die zu finden ist meist gar nicht einfach. Denn eine für alle Fälle gültige Erklärung für das Phänomen Fogging gibt es nicht. Auffallend ist nur, dass das Phänomen im Winter während der Heizperiode besonders stark auftritt – dann ist relativ viel Ruß in der Luft und gleichzeitig sind die Wände kalt.

Was färbt die Wand?

Charakteristisch für Fogging ist eine graue bis schwarze Farbe, deren Farbton hängt meist von der Mächtigkeit und Dichte der Ablagerung ab.

Fogging- bzw. Schwarzstaub-Ablagerungen bestehen weder ausschließlich aus Ruß noch aus Staub aus Verbrennungen, können diese aber enthalten. Setzt sich der abgelagerte schwarze Staub hingegen überwiegend aus Rußteilchen zusammen, so handelt es sich um eine „Verrußung“ als Folge eines Verbrennungsprozesses, die Ursache dafür ist also nicht Fogging. Auch eine braune Färbung oder eine ölige Ausprägung der Ablagerungen deuten eher auf das unmittelbare Eindringen von Verbrennungsabgasen in die Innenraumluft hin.

Möglicherweise gibt es Übergangserscheinungen zwischen Verrußung  und Fogging. Enthält der abgelagerte Staub hohe Anteile an Ruß bzw. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe ( PAK ), ist dies ein klarer Hinweis auf Verbrennungsprozesse als eine wesentliche Quelle. Färben sich schlagartig innerhalb von Tagen große Bereiche eines Hauses tief schwarz, könnte eine Verpuffung in einem Ofen die Ursache sein. Auch dies wird nicht als Fogging bezeichnet, hat aber ähnliche Folgen. Kleinere Mengen Ruß stammen beispielsweise aus den Abgasen von Diesel-Kraftfahrzeugen, Kerzen (eine einzige rußende Kerze reicht, insbesondere Duftkerzen sind diesbezüglich kritisch), Schornsteinen und Kaminen der Umgebung, dem Kamin bzw. Holzofen oder aus Lecks im eigenen Schornstein.

Wie Schwarzstaub entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt- weder die chemische Zusammensetzung der Schwarzstaub-Ablagerungen noch deren Ursache oder Bildungen sind hinreichend bekannt. Es besteht der begründete Verdacht, dass Farben, Kunststoffe und Einrichtungsgegenstände, die Weichmacher enthalten, diese an die Innenraumluft abgeben. Doch es gibt nicht wenige Fogging-Fälle, in denen es keine auffälligen Weichmachervorkommen zu beobachten gab. Das Umweltbundesamt hat im Winter 2007/2008 einige „schwarze“ Wohnungen untersucht und kam dabei vorläufig zu dem Ergebnis, dass Weichmacherkonzentration und –verteilung nicht in zwingendem Zusammenhang mit den Vorkommen von Schwarzstaub-Ablagerungen in den Wohnungen stehen. Bei der Ursachensuche sollte daher die Aufmerksamkeit nicht allein den Weichmachern und ihren Quellen gelten.

Untersuchungen des Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Instituts zeigten, dass der Schwarzstaub einen recht großen Teil an organischen Stoffen enthält, die chemisch bisher nicht genauer identifiziert sind. Inzwischen gibt es Indizien, dass möglicherweise Haushaltschemikalien (wie Reinigungs- und Pflegemittel oder Kosmetika) beim Fogging mitwirken.

Bei der Entstehung von Schwarzstaub spielt die Luftbelastung der Wohnung mit Feinstaub auf jeden Fall eine Rolle. Feinstaub besteht aus Partikeln mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometer. Dieser entsteht beispielsweise beim Kochen oder stammt von Tabakrauch oder Kerzen; auch Lüfter von Elektronikgeräten stoßen aus der Motormechanik Hausstaub und Abriebsstäube aus, bei Druckern kann Tonerstaub hinzukommen. Für die Außenluft gibt die Europäische Union seit 2005 den Grenzwert von 50 Milligramm pro Kubikmeter Luft vor, der im Jahr nur wenige Male überschritten werden darf. In Innenräumen kann die Konzentration rasch diesen Wert überschreiten. Welche Folgen dies hat, ist jedoch noch kaum untersucht.

Warum lagern sich die Partikel ab?

Die  färbende Substanz verwirbelt in der Wohnung, besonders intensiv über Wärmequellen wie Heizkörpern und warmen Lampen. Dabei streicht die partikelhaltige Luft an kalten Stellen vorbei, also Wänden und kalten Ecken, die feinen färbenden Teilchen schlagen sich an kalten Oberflächen nieder. Dieses physikalische Phänomen, bei dem sich Teilchen entlang des Temperaturgradienten von warm bis kalt bewegen, bezeichnet man als Temperaturdiffusion oder Thermophorese. Dies könnte das seltsame Verteilungsmuster der schwarzen Ablagerungen erklären, die insbesondere über Heizkörpern und Lampen auftreten, oder bei schlecht isolierten Wohnungen in Raumecken, wobei die tiefen Ecken hell bleiben. Doch obwohl Thermophorese beim Fogging ein wesentlicher Faktor sein zu scheint, lassen sich damit nicht alle Ablagerungsmuster erklären. Unklar bleibt auch, warum bei üblicher Staubbelastung die eine Wohnung innerhalb von einigen Tagen oder Wochen schwarz wird und die andere erst nach Jahren. Es scheinen noch andere Prozesse beteiligt zu sein. Inzwischen konnte das Umweltbundesamt einmal quasi live beobachten, wie eine Wohnung schwarz wurde, auffallend war dabei die hohe Konzentration an Partikeln in der Luft.

An der Wand haften bleiben die Teilchen durch Adhäsion. Weil dunkle sehr feine Partikel extrem stark färben, ist bereits eine kleine, auf einer Oberfläche verteilte Menge deutlich sichtbar.

Wer zahlt den Schaden?

Da die Quelle der Partikel nicht mehr zu erkennen ist, ist es schwierig, zu entscheiden, wer „Schuld“ ist: der Mieter (zu viele Kerzen) oder der Vermieter (die Wohnung liegt in der Nähe von Straßen und Schornsteinen, bzw. die Wände sind schlecht isoliert und daher kalt!)

Sofern der Mieter die Wohnung richtig beheizt hat (also „vertragsgemäß nutzt“), ist laut Urteil des Bundesgerichtshofs der Vermieter verpflichtet, den vertragsgemäßen Zustand wiederherzustellen, also die Renovierung zu bezahlen. Dies gilt selbst dann, wenn der Mieter z. B. Kerzen abbrennt oder weichmacherhaltige Farbe verwendet (wenn also „die Mangelursache der Sphäre des Mieter zuzurechnen ist“):“Einen im Laufe des Mietverhältnisses auftretenden Mangel der Mietsache hat der Vermieter auch dann auf seine Kosten zu beseitigen, wenn die Mangelursache zwar die Sphäre des Mieters zuzurechnen ist, der Mieter den Mangel aber nicht zu vertreten hat, weil er die Grenzen des vertragsgemäßen Gebrauchs nicht überschritten hat.“

Um bei einem Einzelfall die Ursache zu finden, muss die betroffene Wohnung gezielt untersucht werden. Ausgeschlossen werden muss zunächst, dass es sich um schwarzen Schimmel oder um eine Verrußung handelt. Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, einen Gutachter hinzuzuziehen, dieser kann lediglich zwischen Schimmel, Verrußung und Schwarzstaub unterscheiden – eine eindeutige Ursache für die Schwarzstaubablagerung wird er hingegen nicht benennen können. Es ist also abzuwägen, ob sich die Ausgabe lohnt. Dauer und Preise der Untersuchung müssen Sie erfragen. Ratsam ist es, mehrere Angebote einzuholen. Allgemeine Hinweise gibt die Broschüre des Umweltbundesamtes. Auch einige Umweltämter geben Tipps.

Richtig Renovieren

Bevor man mit dem Renovieren beginnt, sollte zunächst geklärt werden, ob es sich bei den schwarzen Stellen nicht doch um Schimmel handelt. Ist es Schwarzstaub, kann man die Ablagerungen von Fenstern und Möbeln meist abwaschen. Tapeten und Teppiche hingegen halten diese Prozedur oft nicht aus und müssen bei starker Schwärzung erneuert werden.

Auch nach der Renovierung unterscheiden sich die Einzelfälle stark, wie die Zusammenschau zahlreicher beim Umweltbundesamt erfasster Fälle für schwarzer Wohnungen zeigt: In manchen Fällen reichte es, die Wohnung zu reinigen und die Wände mit weichmacherfreier Farbe zu streichen. In anderen ( selteneren ) Fällen hingegen trat der Schwarzstaub trotzdem erneut auf.

Hilfreich ist es auf jeden Fall, darauf zu achten, dass sich möglichst wenig Staub auf kalten Stellen niederschlägt. Dazu sollten die Temperatur-Unterschiede zwischen Raumluft und Wänden möglichst klein gehalten werden: Um kalte Stellen an den Wänden zu vermeiden, sollten bauliche Mängel  (Wärmebrücken) beseitigt werden, außerdem sollte kontinuierlich statt periodisch geheizt werden. Es ist zu empfehlen, in den Monaten nach der Renovierung besonders intensiv zu lüften, sowie Kerzen und Öllämpchen nur sparsam zu nutzen.